Biografiearbeit in der Videobiografie

Als Videobiografin bin ich im Grunde genommen nur eine Zeugin der Reflektionen und Erinnerungen meiner Kunden. Denn während diese aus ihrem Leben erzählen oder mit anderen Worten Biografiearbeit leisten, hört und sieht meine Kamera zu und sehe ich mich als ein Resonanzraum. Biografiearbeit in der Videobiografie bedeutet somit vor allem unvereingenommenes Zuhören.

Vieles lagert sich im Laufe des Lebens wie hartes Gestein im Menschen ab, Schicht um Schicht. Manchmal sind diese Gesteinsschichten bildlich gesprochen von Moos überwachsen oder von Dornengestrüpp überzogen. Im Erzählen nähert sich der Mensch auch diesen Bergen und Müllhalden, dem Dornengestrüpp und den Moospolstern. Die Kräfte, die im Erzählen liegen, bringen Leben in diese erstarrten Seelenlandschaften. (Monika Specht-Tomann)

Biografiearbeit in der Videobiografie ist Gesteine unter einer Moosschicht freizulegen.

In der Biografiearbeit steht die Frage: „Wie der Mensch zu dem geworden ist, der er ist?“ zentral. Somit geht es immer um die Reflexion der eigenen Geschichte. Laut dem englischen Philosophen John McTaggart werden in der Biografiearbeit drei Zeitformen verwendet:

  • Die Erinnerung an die Vergangenheit dient der Lebensbilanz
  • Die Begleitung der Gegenwart nennt man auch Lebensbewältigung
  • Die Perspektive auf die Zukunft versteht man als Lebensplanung

Bei der Biografiearbeit in der Videobiografie steht für mich die Frage: „Wie ist mein Gegenüber zu dem geworden ist, der er ist?“ zentral. Nicht selten ist es sehr sinnvoll, sich biografischen Elementen auf spielerische Art und Weise zu nähern. Somit ist Biografiearbeit für mich eine Methode der Interviewführung.

In meinem persönlichen Leben wende ich Biografiearbeit immer dann an, wenn eine Lebensphase anfängt oder endet. So schöpfe ich beispielsweise viel Kraft aus der Biografiearbeit, wenn große Veränderungen anstehen.

Eine bekannte Übung aus der Biografiearbeit ist: dem Gegenüber zu bitten für eine bestimmte Zeit (zum Beispiel 10 Minuten) über ein erzählen. Der Zuhörer darf hierbei keine Fragen stellen und den Erzählenden nicht unterbrechen. Reaktionen sollten sich auf Kopfnicken und Lächeln: sprich auf wertschätzende Mimik und Gestik beschränken. Wenn man den Gegenüber nicht unterbricht können durch assoziatives lautes Nachdenken Erinnerungen an die Oberfläche kommen, die schon verloren geglaubt waren. Diese Art der wertschätzenden Offenheit auf Seiten des Zuhörers bezeichne ich auch als Resonanzraum.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.