Interviewführung

Biografiearbeit – Der Versuch einer Definition!

Vieles lagert sich im Laufe des Lebens wie hartes Gestein im Menschen ab, Schicht um Schicht. Manchmal sind diese Gesteinsschichten bildlich gesprochen von Moos überwachsen oder von Dornengestrüpp überzogen. Im Erzählen nähert sich der Mensch auch diesen Bergen und Müllhalden, dem Dornengestrüpp und den Moospolstern. Die Kräfte, die im Erzählen liegen, bringen Leben in diese erstarrten Seelenlandschaften. (Monika Specht-Tomann)

Wenn ich gefragt werde, was ich beruflich mache, fasse ich dies oft unter dem Begriff „Biografiearbeit“ zusammen. In der Biografiearbeit steht die Frage: „Wie der Mensch zu dem geworden ist, der er ist?“ zentral. Somit geht es immer um die Reflexion der eigenen Geschichte. Laut dem englischen Philosophen John McTaggart werden in der Biografiearbeit drei Zeitformen verwendet:

  • Die Erinnerung an die Vergangenheit dient der Lebensbilanz
  • Die Begleitung der Gegenwart nennt man auch Lebensbewältigung
  • Die Perspektive auf die Zukunft versteht man als Lebensplanung

Wenn ich jemanden filme bzw. interviewe, dann hilft es mir die Frage: „Wie ist mein Gegenüber zu dem geworden ist, der er ist?“ im Hinterkopf zu behalten. Nicht selten ist es sehr sinnvoll sich biografischen Elementen auf spielerische-künstlerische Art und Weise anzunähern. Somit ist Biografiearbeit für mich eine Methode der Interviewführung, welche ich vor allem als biographisch-narrative Gesprächsführung anwende.

Meiner Meinung nach ist Biografiearbeit immer dann ein wertvolles Instrument,  wenn eine Lebensphase anfängt und/oder endet. In meinem persönlichen Leben schöpfe ich vor allem dann viel Kraft aus biografischen Reflexionen, wenn große Veränderungen anstehen bzw. bewältigt werden müssen.