Aufnahmen für ein biografisches Hörbuch im Hospiz

Ende letzten Jahres frug mich eine langjährige Freundin, ob ich die Lebensgeschichte ihrer Mutter aufnehmen würde. Die Mutter meiner Freudin wohnte zu diesem Zeitpunkt in einem Hospiz in Nordholland. Sie ist Ende Januar 2020 von uns gegangen. Ich bin nicht nur aus beruflichen Gründen sehr froh darüber, dass ich sie in diesem schönen Hospiz besucht, ihre Geschichten aufgenommen habe und mich nachhaltig von ihr verabschieden konnte. Was ich hiermit meine und warum die Aufnahmen zu einem biografischen Hörbuch in einem Hospiz in Nordholland mir auch beruflich sehr viel bedeutet haben, möchte ich im folgenden Beitrag erläutern.

Ein „schönes“ Hospiz?

Ja ein Hospiz, kann ein schöner Ort sein – nicht nur im Sinne von „würdevoll“. Jedoch glaube ich, dass jemand, der noch nicht mit dem Tod in Berührung gekommen ist, dies schwer nachzuvollziehen kann. Der Tod ist nach wir vor ein großes Tabu in unserer Gesellschaft. Ein Hospiz sollte die physischen, psychischen, sozialen und seelischen Bedürfnisse von schwerstkranken und sterbenden Menschen im Blick haben. Die Hospizbewegung hat vor allem wegen der häufig unwürdigen Situation von Sterbenden in Krankenhäusern mehr und mehr Zulauf.

Das Hospiz, welche ich besucht habe, war erst drei Jahre alt. Ich fand, dass man an alles gedacht hatte. Trotz des grauen Winterwetters habe ich es als hell und freundlich erfahren. Es gab lichtdurchflutete Gemeinschaftsräume, in denen man gemeinsam die Mahlzeiten einnehmen konnte. Die Zimmer der Bewohner waren großzügig geschnitten, bodentiefe Fenster gaben den Blick auf eine Grasfeld frei, auf den sich Vögel tummelten. Auch hier befand sich eine kleine Küchenzeile und ein Tisch, wo wir bequem zu dritt sitzen konnten. Den Schlafbereich konnte man abtrennen, die Kommode mit dem Fernseher hatte Rollen, so dass man sie verschieben konnte. Das Bad war groß und konnte auch mit einem Rollstuhl befahren werden.

Neben dem Pflegepersonal waren 70 Ehrenamtliche mit dem Hospiz verbunden. Essen kochen, Ausflüge anbieten, zuhören, Angehörige empfangen und informieren – all diese Aktivitäten wurden von Freiwilligen übernommen. Es gab einen Saal für Kulturveranstaltungen, aber auch einen Raum mit gedämpften Licht mit Suhlkreis, der noch ein wenig nach Weihrauch duftete…

Nachhaltig Abschied nehmen

„Wenn ich ein biografisches Hörbuch oder eine Videobiografie fertiggestellt habe, fühlt es sich so an, als ob ich einen Menschen auswendig kenne.“ sage ich zu meiner Freundin, nachdem ich ihr das biografische Hörbuch von ihrer Mutter, welches wir im Hospiz aufgenommen haben, überreiche. Wenn ich Audio- und oder Videoaufnahmen bearbeite, höre ich die Geschichen der Porträtierten in der Regel noch zwei bis drei Mal an. Oft kann ich ganze Passagen mitsprechen. Die Erzählungen klingen in mir nach.

Nachhaltig bedeutet: „sich auf längere Zeit stark auswirkend“. Ich finde es schön, dass der Nachhall der aufgenommenen Geschichten bleibt und seine Wirkung auch noch in der Zukunft entfalten wird. Die verschiedenen Tracks des biografischen Hörbuches im MP3-Format können auch noch von den Urenkeln und Ururenkeln angehört werden.

Nachhaltig Abbschied nehmen bedeutet aber auch, dass man gemeinsam das Leben des Gegenüber betrachtet, dass man sich bewußt Zeit füreinander nimmt und, dass man alle offenen Fragen geklärt werden.

Während der Aufnahmen zu einem Biografischen Hörbuch (Beispielbild).

Neue Fragetechnik erprobt

Während der Hörbuchaufnahmen haben wir einen Zeitsstrahl und einen Stammbaum verwendet. Zu Beginn der Aufnahmen haben wir die wichtigsten Lebensstationen auf den Zeitstrahl eingezeichnet, sowie die wichtigsten Verwandten kurz beschrieben.

Durch den Zeitstrahl konnen wir nicht nur die Reihenfolge der Ereignisse visualisieren, sonden auch immer darauf zurückkommen. Der Stammbaum hilft dabei die Übersicht über die verschiedenen Familienmitglieder zu behalten.

Angebot erweitert

Die Mutter meiner Freundin wollte aus verschiedenen Gründen nicht gefilmt werden. Es war somit von Anfgang an klar, dass ich keine Videobiografie, sondern Tonaufnahmen erstellen würde. Erst nach Fertigstellung war klar, dass ich die Audioaufzeichnungen als biografisches Hörbuch bezeichnen möchte. Das Angebot meines Unternehmens „Damals und Heute“ wurde somit um biografische Hörbücher erweitert.

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